Wir sind[1]:

Der Landesverband der Pflege- und Adoptivfamilien in Bayern ist ein gemeinnütziger Verein und als Träger der Freien Jugendhilfe nach § 75 SGB VIII auf Landesebene öffentlich anerkannt. Gegründet wurde er 1987 in München und nennt sich seit 1993 PFAD FÜR KINDER. Er ist ein Zusammenschluss von Pflege- und Adoptiv­eltern­gruppen und –vereinen, Pflege- und Adoptivfamilien und Fachkräften der Jugendhilfe.

PFAD FÜR KINDER ist ein gemeinsames Sprachrohr der Pflege- und Adoptivfamilien in Bayern und Ansprechpartner für Gesetzgeber, Behörden, Verbände, Institutionen, Politiker und Personen, die sich für die Achtung der Interessen von Kindern und deren Familien einsetzen.

 

Wir tragen dazu bei, dass möglichst viele Kinder in Familien aufwachsen können

Der zentrale Ort für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen ist die Familie. Dort wird der Grundstein für ihre Lebens-, Bildungs- und Zukunftschancen gelegt. (…) Familie ist in ihrer Funktion für die Gesellschaft unersetzlich.[2]

Nicht in allen Bereichen der Jugendhilfe und Rechtsprechung werden diese Erkenntnisse im notwendigen Umfang berücksichtigt. Deshalb führen wir Gespräche mit Vertretern aus Behörden, Institutionen, Bildungsstätten, Kirche und Politik. Ziel ist, durch Information, Erfahrungsaustausch und fachliche Arbeit das Pflege- und Adoptivkinderwesen regional und landesweit auszubauen und zu verbessern.

 

Wir fordern umfassende Vorbereitung, Qualifizierung und Begleitung für Pflege- und Adoptivfamilien

Vorbereitung, Qualifizierung und fachliche Begleitung nach einer Belegung zählen zu den Grundvoraussetzungen für den positiven Verlauf eines Pflegeverhältnisses / einer Adoption.

Je gründlicher Familien, die ein „fremdes“ Kind vorübergehend oder auf Dauer aufnehmen wollen, vorbereitet und qualifiziert werden, umso eher gelingt die Bewältigung von Problemen, die im Verlauf eines Pflege- bzw. Adoptivverhältnisses auftreten.

PFAD FÜR KINDER gibt sein Fachwissen und seine Praxiserfahrung an betroffene Einzelpersonen, an seine Ortsgruppen und –vereine, an weitere, im Pflege- und Adoptivkinderbereich aktive Gruppierungen, an im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe tätige Fachkräfte und sonstige Interessierte in Form von Informationsmaterial, in Qualifizierungsmaßnahmen und in themenorientierten Fortbildungsveranstaltungen weiter.

Eine fortlaufende Begleitung für Adoptivfamilien ist nach dem rechtsverbindlichen Abschluss des Adoptionsprozesses auch im Hinblick auf den interkulturellen Kontext, in dem häufig Adoptivkinder und ihre Familien leben, unerlässlich. Sie hat sich bisher noch nicht in dem erforderlichen Maße etabliert, um die Adoptivfamilien zu stützen.

 

Wir drängen auf intensive Sozialarbeit mit den Herkunftseltern vor, während und nach der Unterbringung ihres Kindes in einer Pflege-/Adoptivfamilie

Die Biographie der Eltern hat in Verbindung mit familiären Rahmenbedingungen des Zusammenlebens Schwierigkeiten und Konflikte hervorgebracht, die zur Fremdunterbringung ihres Kindes führten. Parallel hierzu sehen sich die Eltern mit dem potentiell neuen Konfliktfeld der Beziehungsdynamiken zwischen ihnen und der aufnehmenden Familie konfrontiert.

Zum Wohl des Kindes muss die Jugendhilfe die verschiedenen Grade der Bereitschaft konstruktiven Zusammenwirkens zwischen Herkunfts-, Adoptiv- und Pflegefamilie durch Stärkung der Wahrnehmung für die Anliegen des jeweils anderen Partners optimieren.

Pflegekindschaft wird immer mehr als eine zeit- und zielgerichtete Erziehungshilfe betrachtet. Im Interesse der Bindungen des Kindes zielt sie entweder auf eine baldige Rückkehr in die eigene Familie oder auf eine stabile, adoptionsähnliche Bindung an die neue Pflegefamilie, wobei die Beziehungen zur Herkunftsfamilie so weit wie möglich aufrecht erhalten werden sollen.[3]

 

Wir setzen uns ein für die Partizipation von Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche sind ihrem Alter und ihrem Entwicklungsstand angemessen an den sie betreffenden Entscheidungen im Rahmen einer Maßnahme der Hilfe zur Erziehung, z. B. der Erarbeitung des Hilfeplans und an der Gestaltung der Besuchskontakte, zu beteiligen.

Kinder und Jugendliche haben in ihrer Rolle als Grundrechtsträger eigene Rechte auf Selbstbestimmung, auf Beteiligung an allen sie betreffenden Entscheidungen und auf den Schutz des Staates. Partizipation bedeutet aktives Mitgestalten, Einflussnahme und Beteiligung der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Familien.[4] Wir erstreben intensive Zusammenarbeit mit öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe sowie den Bezirken als überörtliche Träger der Sozialhilfe

PFAD FÜR KINDER tritt dafür ein, dass die Zusammenarbeit zwischen Pflege- und Adoptivfamilien und deren Zusammenschlüsse mit Jugendhilfeträgern partnerschaftlich verläuft und sich ergänzt. Dazu dienen von uns regelmäßig durchgeführte Fachtagungen für Pflege-/Adoptivfamilien und Fachkräfte der Jugendhilfe. Durch Austausch von Wissen und Erfahrung, bei gemeinsamen Fortbildungen, Tagungen und in Arbeitsgesprächen wird gegenseitiges Verständnis intensiviert. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Jugendhilfeträgern die Bedingungen für Pflege-, Adoptiv- und Herkunftsfamilien regional und landesweit weiterzuentwickeln.

Die Zusammenarbeit mit regional und überregional arbeitenden Zusammenschlüssen von Pflegeeltern hat durch die stärkere sozialpolitische Gewichtung der Vollzeitpflege in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dies kommt durch ihre Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe zum Ausdruck. [5]

Die Verpflichtung zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit richtet sich an die öffentliche Jugendhilfe (vgl. § 4 Abs. 1 SGB VIII). Die Verpflichtung der freien Jugendhilfe folgt aus den Vereinbarungen und Absprachen zwischen der freien und öffentlichen Jugendhilfe. Faktisch sind jedoch beide Seiten aufeinander angewiesen und somit an einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit interessiert. [6]

 

Wir arbeiten an einem flächendeckenden Netz von Zusammenschlüssen der Pflege- und Adoptivfamilien

Für Pflege- und Adoptivfamilien ist das Angebot qualifiziert arbeitender Selbsthilfegruppen besonders wichtig. PFAD FÜR KINDER bietet in Bayern an, örtlichen Gruppen beim Aufbau zu helfen, sowie bestehende zu beraten und zu unterstützen.

 

Wichtigste Ziele unserer Gruppenarbeit sind

·        der Erfahrungsaustausch,

·        die Sensibilisierung für kritische Situationsentwicklungen,

·        der Umgang mit Krisen,

·        der intensivere Kontakt der Pflege-/Adoptivfamilien untereinander,

·        die konstruktive Zusammenarbeit mit Trägern der freien und öffentlichen Jugendhilfe,

·        Fortbildungen auf regionaler Ebene.

… durch persönliche Beratung in der Gründung und Unterstützung von Ortsgruppen, können sie [Pflegeelterngruppen und –vereine, d. Red.] zur Stabilisierung von Pflegeverhältnissen im Einzelnen und in der öffentlichen Wahrnehmung des Pflegekinderwesens beitragen.(…)

Die Pflege einer tragfähigen Zusammenarbeit mit den Zusammenschlüssen sowie deren Unterstützung sind Aufgaben des Jugendamts und seiner Mitarbeiter.[7]

 

Wir betreiben Öffentlichkeitsarbeit

In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit öffentlichen und freien Jugendhilfeträgern soll der Bevölkerung ein realistisches Bild der Pflege- und Adoptivelternarbeit vermittelt werden. Öffentlichkeitsarbeit im Bereich der Adoption und der Pflegekinderhilfe soll Denkanstöße zur Lebenssituation von Adoptiv- /Pflege- und Herkunftsfamilien geben.

Öffentlichkeitsarbeit im Bereich der Pflegekinderhilfe will

·        sensibilisieren

·        Verständnis wecken

·        Vorurteile abbauen

Unser Anliegen gilt dabei dem Öffnen von Familien für die Aufnahme von Kindern, insbesondere auch von älteren und behinderten Kindern.

Unseren Mitglieder stellen wir in unserer Verbandszeitschrift PFAD AKTUELL neben Informationen zu rechtlichen, pädagogischen und psychologischen Fragestellungen ein Forum für Ortsgruppen und –vereine zur Verfügung.
Wir sehen die Mitwirkung als wichtigen Bestandteil unserer Arbeit bei

·        Gesetzgebung

·        Interdisziplinärer Zusammenarbeit

·        Wissenschaftlicher Forschung

 

PFAD FÜR KINDER

·        will frühzeitig gehört und einbezogen werden, wenn Empfehlungen und Richtlinien auf dem Gebiet der Pflegekinderhilfe und Adoption zu verändern oder neu zu schaffen sind,

·        beteiligt sich an der Erarbeitung und Fortschreibung von fachlichen Standards für die Hilfe zur Erziehung in Familienpflege, mit dem Ziel der gesetzlichen Verankerung,

·        ist bereit, praktische Erfahrungen der Pflege- und Adoptivfamilien für die Forschungsarbeit zur Verfügung zu stellen sowie Forschungsprojekte anzuregen und daran mitzuarbeiten,

·        will seine Praxiserfahrung an Richter, Ärzte, Rechtsanwälte, Vormünder, Psychologen, Sozialpädagogen sowie an Erzieher und Lehrer weitergeben, damit sie in Entscheidungen für die Zukunft des Kindes einfließt,

·        setzt sich nachdrücklich für die Verbesserung sozialer Absicherung für Pflegepersonen ein,

·        will mithelfen, dass Ergebnisse von Modellprojekten im Bereich der Pflegekinderhilfe und Adoption in die Praxis umgesetzt werden.


Kinder sind unsere Zukunft

Für sie müssen Lebensbedingungen geschaffen werden, die ihren speziellen Entwicklungsbedürfnissen gerecht werden.

Pflege- und Adoptiveltern

  • ermöglichen Kindern durch ihren persönlichen Einsatz einen besseren Start ins Leben
  • bieten Kinder die Chance FAMILIE zu leben
  • tragen dazu bei, die öffentlichen Haushalte zu entlasten

Eine gelungene Sozialisation mindert nicht nur die finanzielle Belastung der Gesellschaft, sondern sichert unseren Kindern eine glückliche Zukunft.


[1] Aus Gründen sprachlicher Vereinfachung wird im Folgenden jeweils auf die männliche Sprachvariante zurückgegriffen. Ausdrücklich sind damit sowohl weibliche als auch männliche Personen gemeint.
[2] Kinder- und Jugendprogramm der Bayerischen Staatsregierung, Fortschreibung 2013, S. 25
[3] Glossar „Jugendhilfefachbegriffe“ – Kreis Bergstraße, Seite 5, Stand 2009
[4] Kinder- und Jugendprogramm der bayerischen Staatsregierung, Fortschreibung Juni 2013, S. 17
[5] Arbeitshilfe für die Praxis der Jugendhilfe Vollzeitpflege, 2. überarbeitete Auflage 2009, Hrsg. Bayerisches Landesjugendamt, S. 2-22
[6] Arbeitshilfe für die Praxis der Jugendhilfe Vollzeitpflege, 2. überarbeitete Auflage 2009, Hrsg. Bayerisches Landesjugendamt, S. 2-23
[7] Arbeitshilfe für die Praxis der Jugendhilfe Vollzeitpflege, 2. überarbeitete Auflage 2009, Hrsg. Bayerisches Landesjugendamt, S. 2-22

Fortschreibung Juni 2013

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